Harald Paleske - Freizeit-Astronomie als Lebensaufgabe

Die frühen Jahre, erste Berührung mit der Naturwissenschaft:

Mein Interesse an der Naturwissenschaft wurde schon in der polytechnischen Oberschule, in den 1970iger Jahren geweckt. Es interessierten mich insbesondere die Themen der Anthropologie und Astronomie. Vor allem durch die Since-Fiction-Romane von St. Lem und anderer, wendete ich mich vermehrt der Freizeit-Astronomie zu. Wer kennt es in der ehemaligen DDR nicht, das Buch „Astronomie selbst erlebt“ von K. Lindner. Es inspirierte mich zum Bau eines 7cm Brillenglasfernrohres, welches aber auf Grund mangelnder materieller und technischer Möglichkeiten scheiterte. Der Unterricht im Fach Astronomie in der 10. Klasse war u.a. mit praktischen Beobachtungsübungen am Himmel gefüllt. Ich kann mich noch sehr deutlich an eine Nachmittagsbeobachtung der Venus im 63/840mm Telementor erinnern. So klar und deutlich hatte ich einen Planeten noch nie gesehen. Fortan wollte ich unbedingt so ein „großes“ Teleskop haben.

Das erste „richtige“ Teleskop und Kontakt zu Gleichgesinnten:

Mit Beginn meiner Berufsschulzeit als Elektromonteur mit Abitur leistete ich mir den bekannten Zeiss Bastelsatz 50/540. In einer Plastikröhre verbaut, war dies mein erstes Sonnenteleskop. Mit diesem hatte ich Anfang der 80iger Jahre wunderbare Sonnenfleckenprojektionsbeobachtungen durchgeführt. Die damalige hohe Sonnenaktivität dokumentierte ich vor allem mit Sonnenfleckenzeichnungen (Bild 1) und Positionsbestimmungen, welche an den „Arbeitskreis Sonne“ unter Leitung von Heinz Albert mitgeteilt worden sind.

Es fehlte allerdings noch ein Teleskop für die Nacht und so suchte ich in der Zeitschrift „Astronomie und Raumfahrt“ angebotene Teleskope zum Verkauf. Aufmerksam wurde ich auf die Annonce eines Hans Dieter Greißner, welcher ein 150/2250 Cassegrainteleskop mit Gabalmontierung anbot. Ein kurzer Briefwechsel genügte und der Kauf war perfekt. Ich wusste damals noch nicht, dass dieser Kontakt in den Süden von Brandenburg, zur Familie Greißner ein Leben lang bestehen sollte. Es war für mich in den 1980iger Jahren immer aufregend, durch Fernrohre der Privatsternwarte von H.D. Greißner auf Jupiter, Mond und Sonne zu schauen. Die Mitgliedschaft im Arbeitskreis Sonne im Kulturbund der DDR (Mitgliedsnummer 48) führte zwangsläufig zu Kontakten mit Gleichgesinnten. Unter anderem entwickelte sich ein Briefverkehr mit Andrè Winzer zu Themen der Sonnenbeobachtung sowie Haus-und Teleskopbau. (Bild 2)

Das Eigenheim mit Sternwarte:

Traum eines jeden Amateurastronomen in der DDR war eine Privatsternwarte am Haus, möglichst mit einem 150iger Refraktor. Der Besuch der Volkssternwarte in Drehbach 1980 beeindruckte mich sehr. Der damalige Leiter, Karlheinz Müller hatte in seinem Wohnhaus im Keller eine eigene Dunkelkammer. In dieser wurden seine Deep Sky Aufnahmen selbst entwickelte. Auch Andrè Winzer baute seit 1987 an einem Eigenheim mit Sternwarte. Unser Hausbau 1988, am Ortsrand von Langendorf (Sachen Anhalt) war die Gelegenheit, ebenfalls eine eigene Sternwarte zu planen und zu realisieren. Der Standort des Hauses sollte eine gute Himmelsbeobachtung ermöglichen. In der Sternwarte sollte mindestens ein 150iger Refraktor drin stehen und im Keller wurde eine Dunkelkammer geplant. Wer konnte damals ahnen, dass ein Jahr nach Baubeginn, das politische System der DDR zusammenbrach und sich hinter meinem Eigenheim ein neues Wohngebiet, mit vielen beheizbaren, lichtdurchfluteten Räumen entstand. Später (2019) machte ich aus der Not eine Tugend und platzierte das 300mm Sonnenteleskop etwas näher an die Sonne heran, nämlich 5 Meter, auf dem Balkon des Wohnhauses. Damit war wieder eine gute Sicht bis zum Westhorizont gewährleistet. (Bild 3)

Die Kontakte zu den Südbrandenburger Sternfreunden und weltweit:

Der Kontakt zu den Südbrandenburger Sternfreunden wurde jährlich, durch die Teilnahme am
Teleskoptreffen in der Region Rückersdorf (Brandenburg) gepflegt. Organisiert wurden diese Treffen
hauptsächlich durch den Verein der Südbrandenburger Sternfreunde e.V., unter Leitung von Andrè Winzer und der Familie Greißner. Der Termin dieses Treffens ist fester Bestandteil unserer jährlichen Lebensplanung geworden. Es ergab sich damit die Möglichkeit, weitere persönliche Kontakte zu Sternfreunden aufzubauen. Diese Treffen wurden von mir genutzt, um kleinere Vorträge zu halten, meine Beobachtungsergebnisse zu präsentieren und Beobachtungserfahrungen weiter zu geben. Im Gegenzug erhielt ich immer wieder Inspirationen für meine eigenen Beobachtungen und Teleskopbauprojekte. Der Weißlichtrefraktor zur Sonnenfleckenpositionszeichnungen (Bild 4) am großen fotografischen 300mm Sonnenteleskop entstand u.a.
dadurch, weil ich beim Teleskoptreffen 2024 sah, wie Andrè Winzer mit seinen Jungs Sonnenflecken mit dem 63/840 Telementor in Projektion beobachtete und zeichnete. Das inspirierte mich wieder, sich der stark vernachlässigten Weißlichtbeobachtungen zu zuwenden. Heute würde man sagen: back to the roots! Um einen noch größeren astronomischen Interessentenkreis zu erreichen, arbeitete ich mich in Word Press ein und stellte eine eigene Homepage (www.unigraph.de) online. Diese wird ständig aktuell gehalten und zeigt die neuesten Ergebnisse meiner Sonnenbeobachtung bzw. neue Teleskopbauprojekte.

Meine Sonnenteleskope und Ausblick:

Technisch ging es nach dem Kauf des 150/2250 Zeiss Cassegrain von Hans-Dieter Greißner 1980 stetig weiter. Es folgten viele weitere Teleskope, welche von mir zur Sonnen-und Planetenbeobachtung selbst gebaut worden sind. Es folgte 1984 der Bau eines 150/2670 Zeiss A- Refraktor. Den abenteuerlichen Kauf dieses Objektivs von der Sternwarte in Pulsnitz, organisierte für mich Hans-Dieter Greißner. Der Sternwartenleiter, Hr. Classen hätte das Objektiv nur an einen Bekannten verkauft und so musste ein anderer Sternfreund das Objektiv für mich erwerben. Nebenbei bemerkt, ich investierte in das Objektiv 850
Westmark, eine hohe Summe in der ehemaligen DDR. (Bild 5)

Ein Meilenstein meines astronomischen Instrumentenbaues war sicher, die Entwicklung des
Unigraphensystems, ein Instrument zur koronografischen Beobachtung der Sonne in verschiedenen
Spektralbereichen. Zunächst wurde dafür ein 127/1200 AK Objektiv von Lichtenknecker benutzt, (Bild 6) danach folgte der 150/1200 FH Unigraph und im Jahr 2006 der 225/2700 Faltunigraph in der Carport-Sternwarte (Bild7). Am Ende dieser Entwicklung steht mein bisher größtes Sonnenteleskop, ein 300mm Newtonspiegel – Unigraph mit optischem Sekundärsystem.(Bild 8) Der erhöhte Standort über dem Boden (auf dem Balkon des Wohnhauses) wirkt sich günstig auf das Seeing aus, weil keine bodennahen Schichten die Beobachtung stören. Für größere Objektiv- oder Spiegeldurchmesser, ist dieser Aspekt unbedingt zu beachten. Dies gilt insbesondere für die Sonnenbeobachtung mit hoher räumlicher Auflösung. Ein zweiter nicht zu unterschätzender Vorteil ist die schnelle Verfügbarkeit des Sonnenteleskops. Innerhalb von 5 Minuten ist dieser Spiegelunigraph einsatzbereit. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil bei unserem mitteleuropäischen Klima. Im Alter wird man zunehmend bequemer. Auch hier ist der Standort an meinem nahen Wohnumfeld ein absoluter Pluspunkt.
Das optische System des 300mm Newtonspiegel-Unigraph hat den enormen Vorteil, ohne Lichtschwächung die Sonne in verschiedenen Spektralbereichen beobachten zu können. Ermöglicht wird dies, durch den Einbau einer kleinen Lochblende von 2,3mm Durchmesser im Primärfokus, wo herkömmlich die Koronografenblende platziert wird. Diese Lochblende hält die Hitze im Primärfokus und lässt diese nicht auf die nachfolgenden empfindlichen optischen Elemente fallen. (Bild 9) Erkauft wird dieser Vorteil, durch den erhöhten optischen und baulichen Aufwand. Der 300mm Spiegelunigraph wiegt ca. 45 kg und ist 1,5m lang.

Das Gesichtsfeld im Primärfokus hat einen rund 2mm großen Durchmesser, bei einer Brennweite von 9,5m. Wahrscheinlich wird dieses Teleskop mich bis zu meinem Lebensende begleiten, denn es bietet eigentlich alles, was ich mir als Freizeit-Astronom immer erträumt hatte.Über die vergangenen Jahrzehnte hat mich die Freizeit-Astronomie stetig interessiert und begleitet. Die Motivation schöpfte ich nicht zuletzt aus den Kontakten zu anderen, gleichgesinnten Sternfreunden. Ich habe die Hoffnung, dass dies auch noch die nächsten Jahre im sogenannten „Ruhestand“ anhalten wird. Wir, meine Frau Renate und ich (Bild 10) bedanken uns besonders bei der Familie Winzer und Greißner für ihr hohes Engagement im Verein der Südbrandenburger Sternfreunde und freuen uns auf weitere Begegnungen, sei es familiär oder astronomisch motiviert.


Harald Paleske

 

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